Trainingscamp Bad Gastein 2012 – Tag 3 Special

Tourdatum: 17.08.2012 | Text: FloR | Fotos: FloR, Herwig | Video: Herwig

Herwig wirkt nervös. Der dritte Tag des Trainingslagers in Bad Gastein steht an. Er schwärmt was von einem 1500hm Downhill. Nach langen Verhandlungen meinerseits, planen wir am Vorabend das Frühstück für 7:00 um zeitig den doch massiven Anstieg mit 15km Anfahrt, 1000hm Forststraße und 600hm Tragen im Schatten beginnen zu können. Jetzt ist klar – Herwig ist nervös. Er schwafelt ununterbrochen von einem Traum der wahr wird und der Gipfelname ist in jedem zweiten Satz vertreten.


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Der Tag beginnt und wie bei bergerfahrenen Mountainbikern gibts auch schon um 9:00 Frühstück. Bis alles besprochen wurde was beim Frühstück so besprochen gehört starten wir um 10:00. Um 10:00 einen 4-5stündigen Aufstieg zu beginnen scheint uns unvernünftig – wir entscheiden uns für unseren privaten Shuttle-Service. Die Räder verstaut, Wasser aufgetankt, Material gecheckt und im Auto Platz genommen beginnen wir um ca. 10:30 unseren ca. 1000hm umfassenden “Aufstieg” mit dem Auto. 10min Anfahrt auf breiter asphaltierter Straße wird abgelöst von 15min asphaltierter Bergstraße wird abgelöst von 30min gemäßigter Forststraße wird schließlich abgelöst von 5min von Witterung und Wasser grob in Mitleidenschaft gezogem naja Weg der unserem straßenoptimierten PKW dann doch zu schaffen macht. Die ganze Fahrt über zeigt Herwig seine Nervösität – “ahh”, “toll”, “freu mich soo”, “wahnsinn”, “endlich”, “berg”, “downhill”, “ich bin nervös”, “ahh”, “toll”, “freu mich soo”, …

Der Aufstieg gestaltet sich erstaunlich unproblematisch. Wir drehen gleich eine Szene in noch gemäßigtem Gelände und da passiert auch schon der erste Unfall. Herwig läuft hinter seinem Rad her, rutscht aus und schneidet sich in der Kniegegend ordentlich tief mit einem Schieferstein. Klar – bergab ist Herwig zu Fuß äußerst ungeübt. Mein Rad macht gleich noch einen unbemannten Vorwärtssalto und die Szene ist im Kasten. Immer wieder begegnen wir anderen Leuten die sich alle sehr interessiert zeigen an unserem Vorhaben. Einer meinte sogar, dass er das schon vor x Jahren gemacht hat bevor es “in” war. Alle wünschen uns viel viel Spass und wir versprechen, dass wir den auch haben werden und uns auch nicht weh tun. Wir genießen das Panorama, die Temperatur, den Weg und erreichen schließenlich die Gipfelhütte. Dort räumt der Wirt gleich unsere Räder zur Seite und stellt eine Bank hin. Klar – die is für uns. Nur für uns. Auf der Bank bereiten wir uns bei Holundersaft psychisch auf den bevorstehenden Downhill vor. Jetzt bin ich auch nervös.

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Die ersten Meter legen wir mit Schwung am Grat entlang zurück, ein gemäßigter Singletrail folgt der ersten Kehre. Danach wirds schwierig. Loser Untergrund, Spitzkehren, große Absätze in steilem Gelände fordern uns und unsere Bikes. Wir tasten uns Meter für Meter vor und erreichen schließlich das Joch. Nach je einem Bauchfleck und kleineren Stürzen sind 500hm geschafft – wir auch, irgendjemand muss ja wieder rauf und die Kamera holen. Ich plage mich zurück um ein letztes Mal die Kamera zu holen. Die filmerische Tätigkeit zollt ihren Tribut und wir haben ca. 16:00.

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Der folgende Teil verspricht aus vorherigen Beobachtungen von oben eine flowige und spassige Sache zu werden. Frohen Mutes rollen wir los. 5m sind zurückgelegt und der Trail zeigt uns sein wahres Gesicht. Extrem steile Stellen bergauf und bergab durch und durch gewürzt mit tiefen Wasserrinnen längs des eh schon schmalen Wegs fordern uns deutlich. Im Normalfall genau der Trail des größtmöglichen Vergnügens, in diesem Moment aber durch doch spürbare Erschöpfung gepaart mit dem Zeitdruck – 1000hm sind noch per bicycle zurückzulegen plus 5km zurück zur Herberge zu einem zweite Auto mit dem wir unseren ganz privaten Shuttle-Service wieder vom Berg holen sollten wenn der Schranken noch offen ist – machen den Teil der Strecke eher zu einem notwenigen Übel. Ich bau noch schnell einen eleganten talseitigen Abstieg ein, der mich weich in dornenbesetztes Gestrüpp fallen lässt und auch dieser Teil ist geschafft.

Der Flow kehrt zurück. Breiter Singletrail im Wald mit kleinen Sprungmöglichkeiten, kleinen Anliegern und wenig ruppige Wurzeln – Spass pur. Wir liegen der Situation entsprechend gut in der Zeit und auch unsere Kräfte regenerieren sich. Wir genießen jeden Meter und die flache Abendsonne.

Vor uns tut sich eine Lichtung auf. Herwig wird wieder nervös. Er fürchtet den Einstieg zu seinem “Juwel” nicht zu finden. Wir kommen an wahrscheinlich privatbewirtschafteten Almen vorbei und erfragen den Weg. Die weisen uns auch gleich zum nächstgelegenen Forstweg und zeigen Mitleid, da wir uns ja offensichtlich so derb verfahren haben. Herwig bleibt hartnäckig und bekommt schließlich die gewünschte Auskunft und wir ein fassungsloses aber doch interessiertes Kopfschlütteln der Leute.

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Wir erreichen den Fuß des Trails ein paar Minuten vor Sonnenuntergang. Glücklich über die gelungene Tour und die klein gebliebenen Verletzungen pedalieren wir zurück nach Bad Gastein, ein Auto bringt uns bei fortgeschrittener Dämmerung wieder auf die Alm wo mein Auto geduldig wartet. Die Abfahrt auf der mittlerweile von vollkommener Dunkelheit gesäumten Forststraße wird von einem Jäger per Pedes, den wir ins Tal mitnehmen, und einem Hasen, der sich mitten auf der Straße ein Philosophierplätzchen gefunden hat begleitet. Bei einer Pizzeria noch schnell Pizza für alle eingekauft treffen wir um ca. 21:00 in der Herberge ein. Dort wartet auch schon der Rest des Trainingslagers. Gemütlich lassen wir den Tag mit Pizza und Bier ausklingen, erzählen und lauschen den Geschichten des Tages.

Viele hilfreiche Tipps von Herwig bekommen wie zum Beispiel: “Wenn du glaubst es geht nicht – fahr einfach!” Viel Erfahrung gesammelt. Viel gelernt. Viel Spass gehabt. Ein toller Tag geht zu Ende. Ein toller Tag im Paradies.

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Hier kannst du das Video zum dieser Tour anschauen. Zum filmen haben wir eine Canon EOS 600D mit zwei Objektiven und eine GoPro verwendet.

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